Bayerische Ju-Jutsuka dominieren deutsches World-Games-Team in Chengdu und holen zahlreiche Medaillen

Am 7. August 2025 wurden in Chengdu, China, die 12. World Games eröffnet – das weltweit größte Multisportfestival für Sportarten, die (noch) nicht Teil der Olympischen Spiele sind, darunter auch Ju‑Jutsu. Aufgrund dessen stellen die World Games für die Ju-Jutsukas das bedeutsamste Turnier (zusammen mit den World Combat Games) dar. Die Spiele finden vom 7. bis zum 17. August 2025 statt. Für die Ju‑Jutsukas begannen die Wettkämpfe ab dem 10. August 2025, ausgetragen im Jianyang Cultural and Sports Centre Gymnasium in Jianyang, einem Bezirk von Chengdu. Insgesamt wurden 19 Entscheidungen in den Kategorien „Fighting“, „Ne-Waza“ und „Duo“ ausgetragen – erstmals auch mit Para‑Disziplinen für geistig und körperlich beeinträchtigte Sportler*innen, bzw. auch mit Sehbehinderung. Hier treten entweder zwei Para-Athleten gemeinsam oder ein Para-Athlet mit einem nicht-beeinträchtigten Athleten an.

Im Grunde genommen wurde fast das gesamte World-Games-Team des DJJV aus Bayern besetzt, bis auf eine einzige Athletin. An den Start gingen im Fighting die Landeskaderathletin Sophie Büscher (-57kg) ebenso wie die Landestrainerin Franziska Freudenberger (-63 kg) und Irina Brodski im Ne-Waza (-52 kg). In der Klasse Duo Open wurden die deutschen Farben durch den Landestrainer Ian Butler gemeinsam mit seinem Partner Felix Paszkiewicz vertreten. Darüber hinaus traten Alessandor Schober & Christine Jahn im Para-Duo Physical und im Para-Duo Visual Julia Paszkiewicz & Nike Hünecke an.

Und die Ergebnisse konnten sich mehr als sehen lassen. So konnte sich der DJJV mit zwei Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille den dritten Platz in der Ju-Jutsu- Nationenwertung sichern.

Den Beginn machten am ersten Tag (10.08) unsere beiden Duo-Männer in der Open-Class, wo alle Klassen (Frauen, Männer und Mixed) gemeinsam antreten. Bereits in der Qualifikation wurde über drei intensive Runden klar, dass sowohl die Österreicher Riegl/Horak als auch die Thailänder Saengsriruang/Yuennan in sehr guter Form waren und man diese auf dem Weg ins Finale würde schlagen müssen. Doch Felix & Ian präsentierten sich ebenso stark, steigerten sich nach den ersten beiden Runden und konnten sich in der dritten Qualifikationsrunde noch den vierten Platz und damit den Halbfinaleinzug sichern, wo sie sich mit den amtierenden Weltmeistern und den Topfavoriten aus Thailand messen durften. Diese waren an diesem Tag leider eine Nummer zu gut und somit blieb nach einem 201:212 dem Niederrother Duo-Paar das Bronzefinale. Hier entwickelte sich von Anfang an ein spannender und knapper Wettkampf, doch letztlich waren die Italiener Ben Brahim/Marcantoni eine Nuance stärker, was in einem knappen 199:194 Sieg für das italienische Paar und somit einem vierten Platz für die DJJV-Athleten resultierte, was in dem hochklassigen Teilnehmerfeld eine starke Leistung darstellt.

Am zweiten Tag (11.08) waren dann die bayerischen Fighterinnen die deutschen Vertreterinnen am Zug. In der Vorrunde der Klasse Fighting Women -57kg gewann die Bergenerin Sophie Büscher gegen Arosemena (PAN) mit einem vorzeitigen Full-Ippon Sieg und nachdem sie sich nervenstark in letzter Sekunde in die Verlängerung rettete, konnte Sophie in selbiger mit einem knappen 20:18 gegen die gut eingestellte Dänin Dahl, eine der Mitfavoritinnen, die Vorrunde als Erste abschließen. Im anschließenden Halbfinale konnte ihr Klara Mattsson (SWE) trotz aller Versuche nicht das Wasser reichen und somit zog Sophie souverän mit 11:4 in das Finale ein, wo wieder die Dänin Rebecca Dahl wartete. Nach ein paar taktischen Umstellungen im Vergleich zum ersten Kampf, zeigte Sophie von Beginn an ihr volles Potential, bestach durch Ruhe und zeitgleich absolutem Willen, ging deutlich in Führung und ließ ihre Kontrahentin nicht ansatzweise in Schlagdistanz kommen. Schlussendlich konnte sie sich mit einem deutlichen 18:6 Sieg die langersehnte und hart erarbeitete Goldmedaille sichern und das wichtige erste Gold für den DJJV holen. Eine beeindruckende Leistung der 24jährigen Top-Athletin vom TSV Bergen, welche sich bereits in diesem jungen Alter nun Weltmeisterin und World Games Siegerin nennen darf.

Am selben Tag war dann auch Landestrainerin Franziska Freudenberger dran in der Klasse Fighting Women -63 kg. Nach zahlreichen Verletzungen und Rückschlägen in den vergangenen Monaten und Jahren präsentierte sich Franziska aber hervorragend und ließ keine Zweifel an ihren Titelambitionen zu. Im ersten Vorrundenkampf wurde die spätere Siegerin Senatham (THA) mit einem 15:5 deutlich geschlagen, ebenso wie im zweiten Kampf die Brasilianerin De Jesus Ferreira Santos, welche sogar mit Full-Ippon vorzeitig besiegt wurde. Im Halbfinale folgte dann gegen die Italienerin Fiorelli das Drama für die Athletin des SV Oberdürrbach. Nach einem, in letzter Sekunde und durch eine scheinbar erfolgreiche Challenge ihres Bundes- und Vereinstrainers Jörn Meiners, gewonnenen Kampf legten die Italiener gegen ebendiesen einen letztlich erfolgreichen Einspruch ein. Über 45 Minuten lang war Freudenberger von einem bevorstehenden Finalkampf ausgegangen, doch kurz vor dem Finalblock wurde der Kampf nachträglich anders gewertet und Franziska musste sich innerhalb kürzester Zeit mental und auch physisch doch auf das direkt stattfindende Bronzefinale einstellen. Doch scheinbar unbeeindruckt trat die Landestrainerin auf, zeigte eine beeindruckende Nervenstärke, kämpfte hervorragend und sicherte sich in einem spannenden Kampf gegen die Dänin Liva Tanzer mit einem 16:12 den versöhnlichen Abschluss und die tolle Bronzemedaille. Nach einem herausfordernden Jahr 2025 ein Ausrufezeichen und der Beweis, dass sie nicht zu Unrecht seit vielen Jahren eine der stärksten 63erinnen ist.

Am letzten Wettkampftag für die Ju-Jutsukas gingen parallel zu den offenen Klassen der Männer und Frauen im Ne-Waza die Para-Athleten erstmalig bei World Games an den Start.

Den Beginn macht die Para-Physical-Klasse, wo mindestens ein Athlet oder eine Athletin der Paarung eine körperliche Beeinträchtigung hat. Hier trat der DJJV durch Christine Jahn mit ihrem nichtbeinträchtigen Partner Alessandro Schober, welcher ehemaliger Landes- und Bundeskaderathlet ist, an. Bereits in der Vorrunde kristallisierte sich heraus, dass es auf einen Showdown zwischen Jahn/Schober und den Hausherren Guo/Li aus China hinauslaufen würde, welche sich beide am besten präsentierten und ihre Halbfinals deutlich gewinnen konnten. Im Fall des deutschen Paares war es ein 141:120-Sieg gegen die Mexikaner Cisneros de los Santos/Moreno Aguila. Trotz der Tatsache, dass Christine nur mit einem Arm agierte, wurden saubere Techniken bei starkem Tempo gezeigt. Im Finale präsentierten sich beide Paare auf hohem Niveau, doch letztlich konnte der beinamputierte chinesische Athlet mit seinem Partner das Kampfgericht mehr überzeugen und den ausrichtenden chinesischen Farben die Goldmedaille sichern mit einem 167:162. Für das bayerische Paar aber kein verlorener Kampf, sondern mit Sicherheit eine gewonnene Silbermedaille und ein starkes Statement.

Parallel zu den beiden traten in der Klasse Para Visual auch Nike Hünecke mit ihrer Partnerin Julia Paszkiewicz, ihres Zeichens ehemalige Spitzenathletin im Duo und aktuelle Bundestrainerin, an. In der Visual-Klasse tragen die Athlet*innen mit Sehbeeinträchtigung allesamt eine Augenmaske, um hier für Gleichberechtigung unabhängig vom Grad der Beeinträchtigung zu sorgen. In der Vorrunde machten die beiden mit der mit Abstand höchsten Wertung gleich klar, dass der Weg zu Gold nur über sie gehen kann, und so präsentierten sie sich auch im Halbfinale gegen die Rumänen Belean/Szanto. Mit einem deutlichen Vorsprung von 151:111 wurde auch dieses gewonnen und damit stand einem hochklassigen Finale gegen das wurfstarke chinesische Paar Pan/Wang nichts im Weg. Wie zu erwarten war, entwickelte sich ein knapper Kampf, letztlich konnten Nike und Julia mit Präzision, viel Dynamik und starkem Ausdruck die Jury von ihren Techniken überzeugen und somit einen Sieg 149:143 feiern. Damit konnten die beiden Athletinnen für das DJJV-Team die zweite Goldmedaille gewinnen und sich die erste World Games Goldmedaille im Para Visual sichern. Mit einer hohen Intensität und starkem Duo konnten die beiden somit ein beeindruckendes Zeichen für den Para-Sport im Deutschen Ju-Jutsu Verband setzen.

Alles in allem war es für den DJJV mit zwei Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille ein durchaus erfolgreiches Turnier, wobei man sich sicherlich die ein oder andere Medaille bzw. bessere Platzierung erhofft hat. Doch unterm Strich darf man nichts anderes tun, als allen angetretenen Athletinnen und Athleten größten Respekt zollen, denn sie haben allesamt bewiesen, dass sie zu den stärksten Athleten der Welt gehören. Nach monatelanger harter und intensiver Vorbereitung sind alle in Topform angereist und haben auf der Matte ihr Bestes gegeben. Nach dieser kraftraubenden Zeit steht jetzt aber erstmal eine wohlverdiente Pause an: Kopf freibekommen und wieder zu Kräften gelangen. Großer Dank gilt den Coaches, ebenso den mitgereisten Fans und insbesondere unserem Medi-Team, für welches die World Games 2025 in Chengdu ihr letztes Turnier waren.

Im Namen des JJVB gratulieren wir allen deutschen Athletinnen und Athleten zu den beeindruckenden Leistungen, wir sind stolz auf euch.

Fighting Sophia

Fighting Sophia

Fighting Franziska

Duo  Para Visual  Nike Hünecke / Julia Paszkiewicz

Duo  Para-Physical    Christine Jahn / Alessandro Schober

Duo    Felix und Ian

Peter Günther, JJVB; Text: Lukas Bombik; Fotos: DJJV, World Games Association