Am 06.11.2025, im Rahmen der Eröffnung des diesjährigen Bayernseminars durch die Präsidentin Eva Straub, wurden zwei „Kampfkünstler“, seit vielen Jahren treue Begleiter im Verband und Förderer des Budo-Geistes, Florian Seidl und Holger Kahlert, vom JJVB geehrt. Beide haben das Ju-Jutsu in Bayern mitgeprägt und erhalten darum den verdienten 6. Dan.
Stürmischer Beifall der Teilnehmer vom Bayernseminar und Glückwünsche der anwesenden Trainerkollegen begleiteten die glanzvolle Zeremonie in der großen Halle in Bischofsgrün.
Florian Seidl,
ein Mann, der seit fast vier Jahrzehnten das Ju-Jutsu in Bayern mitprägt – als Lehrer, Forscher, Gestalter und als jemand, der Budo im besten Sinne lebt.
1986 betritt ein junger Florian Seidl die Matte des Budokan Regensburg – und findet dort, beim Training unter Gerd Enders, seine Leidenschaft.
Ju-Jutsu wird für ihn mehr als ein Sport: Es wird Lebensweg und Lebensform. Schon als Jugendlicher trainiert er vier- bis fünfmal pro Woche, beginnt mit 16 Jahren zu unterrichten und entdeckt, dass Lehren selbst eine Form des Lernens ist.
Durch seinen Lehrer findet er auch den Zugang zur Zen-Meditation. Diese Verbindung aus innerer Sammlung und äußerer Bewegung prägt ihn bis heute und führt ihn später zum Studium der vergleichenden Religionswissenschaften mit Schwerpunkt Zen-Buddhismus – und immer wieder zurück auf die Matte.
Florian erwirbt den zweiten und dritten Dan, absolviert die Trainer-Ausbildungen im Breiten- und Leistungssport und vertieft so seine fachliche Expertise.
Nach dem Studium qualifiziert er sich als systemischer Coach und MBSR-Lehrer (Ein MBSR-Lehrer (englisch: Mindfulness-Based Stress Reduction Teacher) ist jemand, der Menschen in achtsamkeitsbasierter Stressreduktion (MBSR) unterrichtet.) – und verbindet mentale Schulung, Achtsamkeit und Bewegung zu einem ganzheitlichen Ansatz des Ju-Jutsu.
Als 2006 der alte Budokan einen neuen Trainingsort braucht, handelt er: Er gründet den Trägerverein und errichtet ein eigenes Dojo – einen Ort, der traditionelle Atmosphäre mit moderner Trainingskultur vereint und bis heute Heimat vieler Ju-Jutsuka ist.
Parallel wendet er sich dem Aikido zu, lernt bei Gerhard Walter (8. Dan Aikido), lebt zwei Monate als Uchideshi (Vollzeit-Schüler) in Berlin und trainiert anschließend in Japan. Später legt er die Prüfungen zum 1. und 2. Dan Aikido ab – Ausdruck seiner Suche nach der Essenz der Bewegung, nach dem verbindenden Prinzip aller Kampfkünste.
Seit 2011 wirkt Florian als Referent und Lehrender im Ju-Jutsu Verband Bayern.
Er wird geschätzt für seine ruhige, präzise Art und seine Fähigkeit, Techniken von innen heraus zu erklären – aus den Prinzipien heraus, nicht aus der bloßen Form.
Sein besonderes Interesse gilt der Kata. Bereits in seinen eigenen Prüfungen beschäftigt er sich intensiv mit ihrer Herkunft, ihrem Aufbau und ihrem Sinn.
2016 übernimmt er das Amt des Kata-Beauftragten des JJVB und verleiht diesem Thema neue Strahlkraft.
Er möchte, dass Kata nicht nur etwas für hohe Dan-Grade bleibt, sondern als „Lehrbuch der Ju-Jutsu-Prinzipien in Bewegung“ verstanden wird.
Er entwickelt Formate wie den zweitägigen Kata-Workshop, erstellt Lehr- und Bewertungsmaterialien für Prüfungen und begleitet zahlreiche Lehrteam-Mitglieder und Dan-Träger auf ihrem Weg.
Damit hat er das Verständnis von Kata in Bayern modernisiert und zugleich die Verbindung zu ihren Wurzeln gestärkt.
Florian bringt auch seine wissenschaftliche und psychologische Kompetenz in den Verband ein.
Als sportpsychologischer Experte und Dozent an der Universität Regensburg führt er seit 2022 Workshops und Coachings für den Landeskader durch, betreut Athletinnen und Athleten bis auf Worldgames-Niveau und vermittelt in der Trainerausbildung, dass mentale Stärke genauso trainierbar ist wie Technik oder Kondition.
Er steht für die Idee, dass Ju-Jutsu Körper, Geist und Haltung gleichermaßen formt.
Seit 2015 leitet Florian den Budokan Regensburg e.V. als erster Vorsitzender und schafft dort eine lebendige Dojo-Kultur, die von Gemeinschaft und Weiterentwicklung getragen ist.
Er führt SchülerInnen zu Dan-Prüfungen, baut im Rahmen des Talentstützpunkt-Projekts eine Jugendgruppe auf, die bereits bayerische Erfolge feiert, und gründet 2024 in Pettenreuth eine neue Ju-Jutsu-Abteilung.
Doch auch nach fast vierzig Jahren bleibt er selbst Lernender:
Er beginnt Shotokan-Karate, reist 2024 nach Okinawa und legt dort im Hombu-Dojo des Shorin-Ryu Seibukan erfolgreich die Prüfung zum 2. Kyu ab – geprüft von Großmeistern höchster Graduierung.
Diese Reise zu den Ursprüngen des Karate bestätigt seine Überzeugung: Unterrichten kann nur der, der selbst weiterlernt.
Florian Seidl ist seit fast 40 Jahren ununterbrochen aktiver Ju-Jutsuka, seit über 30 Jahren Lehrer und Gestalter unseres Sports.
Er vereint die Tiefe des Budo mit wissenschaftlicher Neugier, verbindet Tradition und Moderne, Technik und Geist.
Er verkörpert Ju-Jutsu als Lebensweg – mit Ernsthaftigkeit, Klarheit, Bescheidenheit und großem Engagement für die Gemeinschaft.
Mit der Verleihung des 6. Dan Ju-Jutsu würdigt der Ju-Jutsu Verband Bayern sein jahrzehntelanges Wirken, sein Wissen, seine Haltung und seine beispielhafte Art, das, was Ju-Jutsu im Innersten ausmacht, weiterzugeben.
Herzlichen Glückwunsch Florian!
Holger Kahlert,
er steht seit fast vier Jahrzehnten mit Leidenschaft, Disziplin und tiefem Verständnis für die Kampfkunst auf der Matte – einer, der Ju-Jutsu nicht nur ausführt, sondern lebt.
Holger begann 1988 mit Ju-Jutsu im 1. Judo-Club Weiden. Schon früh zeigte sich sein Talent – seine technische Präzision, seine Dynamik und sein unerschütterlicher Wille zeichneten ihn als Wettkämpfer aus.
Er wurde Mitglied des bayerischen Landeskaders, startete erfolgreich auf bayerischen und deutschen Meisterschaften und sammelte dort die Erfahrung, die ihn bis heute prägt: Nur wer bereit ist, alles zu geben, kann in der Bewegung den Kern der Technik finden.
Holger ist seit 36 Jahren aktiv, seit 1991 Trainer und seit über 20 Jahren Mitglied im Lehrteam Bayern. Er gehört damit zu den erfahrensten und verlässlichsten Säulen unseres Verbandes.
Mit seinem Wechsel zum Budokan Regensburg begann eine neue Phase seines Budo-Weges.
Dort – in einem Umfeld, das Tradition und Realismus verbindet – entdeckte er seine Leidenschaft für das Ergründen des Wesens einer Technik.
Nicht die äußere Form allein zählt für ihn, sondern das Verstehen, das Eintauchen, das Analysieren – um eine Technik schließlich so zu beherrschen, dass sie in der Realität funktioniert.
So entstand das, was man heute ohne Übertreibung „sein Ju-Jutsu“ nennen kann:
präzise, effektiv, durchdacht und doch immer im Fluss – eine Verbindung aus traditioneller Haltung und realistischer Selbstverteidigung.
Seit nunmehr 20 Jahren im Lehrteam Bayern ist Holger für den Ju-Jutsu Verband Bayern unermüdlich auf der Matte tätig. Er war auf allen Bayernseminaren, auf zahllosen DAN-Stützpunkten und Trainerausbildungen im Einsatz. Bis heute kommen rund 100 Maßnahmen zusammen, bei denen Holger für den JJVB auf der Matte stand.
Für viele ist er dort eine sichere Bank – für manche auch eine gefürchtete, wenn es um Präzision und Konsequenz im Training geht.
Seine SchülerInnen wissen: Wer sich von Holger auf eine Prüfung vorbereiten lässt, wird gefordert – aber auch sicher begleitet.
Zahlreiche Ju-Jutsuka verdanken ihm ihren erfolgreichen Weg zum Dan-Grad.
Holger hat sich allen technischen Prüfungen im Ju-Jutsu gestellt und war bei allen Prüfungen Prüfungsbester.
Seit über 12 Jahren trägt er den 5. Dan, ist Inhaber mehrerer Trainer- und Prüferlizenzen, Ehrenmitglied im Judo-Club Weiden e.V. und hat durch seine Arbeit maßgeblich zur Entwicklung des DAN-Stützpunktes Regensburg beigetragen.
Er war Mitwirkender bei der Ju-Jutsu COMPACT-DVD-Reihe, hat Lehrvideos für den JJVB erstellt und war in der Corona-Zeit einer derjenigen, die das Ju-Jutsu auch digital weitergetragen haben.
Was Holger besonders auszeichnet, ist seine innere Haltung:
Er ruht nie in dem, was er kann – sondern bleibt, wie er selbst sagt,
„der ewig Lernende.“
Und wer ihn kennt, weiß: Das ist kein Lippenbekenntnis.
Es ist sein Weg, sein Antrieb, seine Haltung – auf der Matte wie im Leben.
Er ist ein Analytiker des Ju-Jutsu, ein Forscher der Bewegung, ein Bewahrer der Tradition und gleichzeitig ein Praktiker, der den realistischen Bezug zur Selbstverteidigung nie verliert.
In seinen Techniken, in seiner Lehre und in seiner Ausstrahlung erkennt man die tiefe Verbindung von Budo-Geist und moderner Selbstverteidigung. Aber er bleibt immer er selbst, ist niemals abgehoben.
Holger ist seit 36 Jahren Ju-Jutsuka, seit über 30 Jahren Trainer, seit zwei Jahrzehnten Lehrender für den Verband – und in all den Jahren ist er eines geblieben: ein Suchender, der immer weiter lernt, um anderen den Weg zu zeigen.
Mit der Verleihung des 6. Dan Ju-Jutsu würdigt der Ju-Jutsu Verband Bayern seine technischen Fähigkeiten, seine Lehrkunst, seine Haltung und sein unermüdliches Engagement.
Er verkörpert, was es heißt, Ju-Jutsu als lebenslangen Weg zu begreifen.
Herzlichen Glückwunsch, Holger!











