Nike Hünecke und Julia Paszkiewicz triumphieren im Para-Duo (Visual) und sichern sich nach ihrem WM-Titel 2024 nun auch das World-Games-Gold.
Christine Jahn und Alessandro Schober glänzen im Para-Duo (Physical) mit Silber.
Die Wettkämpfe im Duo können als das Eiskunstlaufen der Kampfsportarten beschrieben werden. Mit einer vorgeschriebenen Choreografie zeigen die Athleten bestimmte Verteidigungs- und Wurftechniken, die von den Kampfrichtern nach technischer Perfektion, Sauberkeit, Dynamik und Ausdruck bewertet werden.
Im Para-Duo hat eine/r der Partner*innen eine oder mehrere Behinderungen, die in drei Kategorien eingeteilt werden: physische, geistige und Sehbehinderungen.
DEN GASTGEBER IM FINALE BESIEGT
Die 19-jährige Nike Hünecke und die 28-jährige Julia Paszkiewicz vom SV Niederroth starteten in der Kategorie „Para Duo Visual“. Bereits vor 13 Jahren legte Nike beim MTV Rottorf mit dem Ju-Jutsu los, erlitt dann im Laufe ihrer Jugend eine unklare Minderung der Sehschärfe, sodass der Sport, wie sie ihn bisher betrieb, zu gefährlich wurde. Aktuell liegt ihre Sehkraft bei unter zehn Prozent, an manchen Tagen sogar nur bei zwei Prozent. Aber Aufgeben war nie eine Option für sie. Für ihren sportlichen Erfolg stellte sie vieles hinten an – das Abitur musste verschoben werden, die Abifeier fiel wegen der Vorbereitungen auf die World Games aus. Dies wurde belohnt. Nach dem Weltmeistertitel im vergangenen Jahr folgte nun Gold bei den World Games. „Es ist alles aufgegangen. Nike hat ein super Turnier gezeigt und genau das abgerufen, was wir trainiert haben“, sagte Paszkiewicz nach dem Finalerfolg, den die beiden bereits auf der Matte emotional feierten. „Einfach unbeschreiblich. Ich habe keine Worte dafür“, ergänzte Hünecke, sichtlich erschöpft und überglücklich.
Bereits in der Vorrunde setzten die beiden mit 87,0 Punkten die Bestmarke des gesamten Teilnehmerfeldes. Im Halbfinale bezwangen sie das rumänische Duo Belean/Szanto souverän mit 151,0 Punkten und krönten ihre starke Leistung schließlich im Finale mit einem 149,0:143,0-Sieg gegen die chinesischen Gastgeber Pan/Wang.
Um Fairness und Chancengleichheit zu gewährleisten, tragen die Athlet*innen mit Sehbeeinträchtigung eine Augenbinde. Die sehbeeinträchtigte Partnerin muss dabei einen Angriff abwehren und sich mit einem Wurf und einer Abschlusstechnik verteidigen.
1000 Kilometer bis zum Trainingspartner
Dass sich die beiden gefunden haben, war nicht selbstverständlich: Die aus Freising stammende Julia bringt als klassische Ju-Jutsu-Athletin viel Erfahrung mit. 2017 gewann sie in der Disziplin Duo Mixed und im Team-Wettkampf die Silbermedaille. 2022 wurden sie im Duo Vierte und gewann mit der Mannschaft Silber. Allerdings liegen ihre Trainingsorte von Nike und Julia über 1.000 Kilometer auseinander. Kein Problem für die beiden: Nike fährt alle zwei Wochen zu Julia nach Bayern, da die Trainingsanlagen dort bessere Bedingungen bieten. Training und gemeinsame Abstimmung sind essenziell, denn der Kampf im Duo lebt von Vertrauen. Nike sieht im Wettkampf nichts. Wenn sie fest zuschlägt, kann das richtig weh tun. Größere Unfälle gab es bisher noch nicht.
Bei den World Games wird Inklusion gelebt
Das deutsche Para-Ju-Jutsu-Team wünscht sich eine weiterhin wachsende Integration: „Ich finde es mega gut, dass bei den World Games Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen am Start sind, weil dadurch Inklusion wirklich gelebt wird“, sagt Paszkiewicz. „Aber wenn es irgendwann so groß wird, dass man eigene Para-World-Games ausrichten könnte, wäre das auch ein starkes Statement für den Para-Sport“, ergänzt sie.
Die beiden sind dabei nicht nur Vorreiterinnen für Menschen mit Behinderungen in ihrer Sportart, sondern als einziges reines Frauen-Duo im Para-Duo (Visual) möchten sie auch ein Vorbild für andere Frauen sein. Dass die World Games das Programm gelockert haben und Frauen auch gegen Männer antreten können, begrüßen sie daher und sehen es auch als große Chance für die Gesellschaft: „Sport spielt eine zentrale Rolle für Inklusion. Für viele ist er Motivation und bringt soziale Kontakte. Menschen machen gemeinsam Sport. Die World Games sind für Inklusion eine riesige Chance, weil alle davon profitieren“, sagte Julia.
Bayerisches Duo-Männerteam errang den 4. Platz.
Ian Butler & Felix Paszkewicz erreichten nach einer glänzenden Leistung leider nur den undankbaren 4. Platz.
















