Echte Champions – Interview mit Julia Paszkiewizc

Mehrfache internationale Medaillengewinnerin, World-Games-Siegerin 2025 und seit Jahren eines der prägenden Gesichter des Ju-Jutsu in Bayern: Julia begeistert nicht nur mit Erfolgen auf der Matte, sondern auch mit ihrer Leidenschaft als Trainerin und ihrer authentischen Art. Im Interview spricht sie über Disziplin, Vertrauen, ihre Athletinnen und Athleten und warum Erfolge ohne die Menschen im Hintergrund nicht möglich wäre.

Was gibst du deinen Athletinnen und Athleten immer mit?

Für mich ist ganz klar: Fleiß schlägt Talent. Das sage ich wirklich allen meinen Athletinnen und Athleten. Das größte Talent allein reicht nicht aus, um Weltmeister/in zu werden. Entscheidend sind Disziplin, Konsequenz und die Bereitschaft, immer weiterzuarbeiten. Nur dadurch wird man langfristig richtig gut.
Und was mir ebenfalls extrem wichtig ist: Ich sage immer, der Kampf ist erst beendet, wenn bei mir abgeklatscht wird. Dieses Mindset – „Es ist nicht vorbei, bis du wirklich von der Matte gehst“ – kann man nicht nur im Wettkampf, sondern auch im Training und im Alltag mitnehmen.

Erfolg deiner Schützlinge – fast schöner als der eigene?

Wenn meine Athletinnen oder Athleten einen Kampf gewinnen oder ihre beste Leistung abrufen, bin ich unglaublich stolz. Als Coach sitzt du draußen und kannst nur versuchen, etwas mitzugeben – kämpfen müssen sie am Ende selbst.
Deshalb ist es ein richtig schönes Gefühl zu sehen, wenn sich das Training auszahlt und sie über sich hinauswachsen. Dann denke ich mir einfach: „Ja, genau dafür machen wir das.“

Neuer Wohnort, neuer Verein – was hat sich verändert?
(Julia zog von Niederroth nach Bergen.)

Natürlich verändert sich erst einmal alles: neuer Verein, neue Menschen, neue Dynamiken. Aber genau das macht es auch spannend. Ich finde es total cool, jetzt in einem Verein zu sein, in dem nicht alle ausschließlich Duo machen.
Nicht, weil ich Duo nicht liebe. Ganz im Gegenteil. Aber ich finde es spannend, die Dinge, die ich im Duo gelernt habe, auch in anderen Bereichen einzusetzen und neue Perspektiven kennenzulernen. Und ganz ehrlich: Die Leute hier sind einfach super. Sonst hätte ich mir den Umzug wahrscheinlich nochmal gut überlegt.

Was sind deine Lieblingstechniken?

Ganz klar: Fußstoß seitwärts und Fußstoß abwärts.

Was ist im Duo wichtiger – Vertrauen oder Timing?

Definitiv Vertrauen. Nur wenn echtes Vertrauen da ist, kannst du überhaupt an perfektem Timing arbeiten. Ohne Vertrauen funktioniert Duo auf höchstem Niveau nicht.

Wer war im Duo eigentlich die strengere Person – du, Johannes oder Nike?

Ganz klar ich. Johannes und Nike mussten teilweise schon sehr unter meiner Strenge leiden. Aber am Ende gehört genau das eben auch dazu, wenn man gemeinsam ganz nach oben möchte.

Du hast das Ehrengeschenk gemäß JJVB-Ehrungsordnung erhalten. Fühlt sich so eine Auszeichnung anders an als Medaillen?

Ja, auf jeden Fall. Besonders emotional war für mich, dass auf dem eingravierten Pokal Johannes und ich während eines Kampfes zu sehen sind.
Ich finde, diese Ehrung fasst die letzten Jahre perfekt zusammen – all die Erfahrungen, Erinnerungen und gemeinsamen Momente. Das macht die Auszeichnung nochmal besonders.

Was macht dich heute am meisten stolz?

Am meisten stolz macht mich, dass ich – egal was passiert ist, ob im Sport oder privat – immer irgendwie meinen Weg gefunden habe und an den Herausforderungen gewachsen bin.
Vor allem aber bin ich dankbar für die Menschen, die ich durch den Sport kennenlernen durfte. Meine Familie, mein Partner, meine Freunde – eigentlich ist mein ganzes Umfeld mit dem Ju-Jutsu verbunden. Ohne diese Menschen hätte ich vieles niemals geschafft. Weder privat noch sportlich.

Zur Ehrung: Wem gehört dieser Moment außer dir?

Natürlich ganz klar auch Nike. Mit ihr zusammen habe ich schließlich die World Games gewonnen.
Aber genauso gehören diese Momente auch allen Menschen im Hintergrund: meinen Vereinen Niederroth und Bergen, meinem Papa, meinem Bruder und natürlich auch Johannes. Wir haben über Jahre gemeinsam gearbeitet, trainiert und gekämpft. Solche Erfolge erreicht man niemals alleine.