„Stopp! Abstand!“ – Laut hallt die Stimme durch die Halle. Im nächsten Moment folgt ein entschlossener Handballenstoß gegen das Schlagpolster. Konzentration, Energie und auch ein bisschen Adrenalin liegen in der Luft. Beim Frauen-Selbstverteidigungslehrgang des ESV München wird an diesem Sonntag intensiv trainiert, ausprobiert und gelernt.
Anlässlich des Weltfrauentags kamen rund 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Vereinen zusammen, um sich mit dem Thema Selbstschutz auseinanderzusetzen und praktische Fähigkeiten zu trainieren.
Geleitet wurde der Lehrgang von Ralf Saller und Nadine Köchel, unterstützt von Carolin, Julia und Brandy sowie weiteren Helfern aus dem Verein. Zwei Freiwillige im FIST-Anzug sorgten zusätzlich für besonders realistische Trainingssituationen.
Den Referenten war dabei ein Punkt besonders wichtig: Der Lehrgang war bewusst so aufgebaut, dass auch Menschen ohne Ju-Jutsu-Erfahrung die Inhalte sofort umsetzen können. Ziel war es, praxisnahe Selbstverteidigung zu vermitteln, die auch für Laien verständlich, erlernbar und im Ernstfall abrufbar ist.
Zum Einstieg gab es zunächst einen kurzen Blick auf die Realität: Aktuelle Zahlen und Fakten zur Gewalt gegen Frauen machten deutlich, warum es wichtig ist, sich mit Selbstschutz und Handlungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Doch lange blieb es nicht bei der Theorie – schnell ging es auf die Matte.
Im Training arbeiteten die Teilnehmerinnen zunächst an grundlegenden Fähigkeiten: Distanz wahrnehmen, klare Grenzen setzen, die eigene Stimme einsetzen und entschlossen auftreten. Dabei wurde auch deutlich, dass sich praxisnahe Selbstverteidigung in vielen Punkten von sportlichen Ju-Jutsu-Techniken auch mal unterscheiden kann.
Im praktischen Teil standen einfache, effektive Techniken im Mittelpunkt. Handballenstoß, Hammerfaust, Knietechniken und verschiedene Befreiungstechniken wurden intensiv geübt – zunächst mit Partnern, später auch mit voller Energie an Schlagpolstern.
Besonders spannend wurde es im zweiten Teil beim Szenarien Training. Nun ging es nicht mehr nur um Technik, sondern um Reaktion, Aufmerksamkeit und Entscheidungen unter Stress. In realitätsnahen Situationen – etwa in einem Aufzug oder auf dem Weg zur Umkleide – mussten die Teilnehmerinnen spontan handeln und das Gelernte anwenden. Währenddessen erhielten die Wartenden Einblicke in Aufbau und Zielsetzung solcher Trainingsformen.
Am Ende des Lehrganges waren viele Teilnehmerinnen erschöpft – aber sichtlich zufrieden. Das Feedback war durchweg positiv. Besonders die praxisnahen Inhalte und die offene, motivierende Atmosphäre wurden immer wieder hervorgehoben.
Eine Fortsetzung ist bereits geplant: Am 20. Juni findet in Deggendorf der nächste Frauen-Selbstverteidigungslehrgang statt.
Peter Günther, JJVB; Info: Andreas Brandmann; Fotos: ESV München





























