Am 13.06.2026 fand beim TV 1881 Altdorf mit Daniel Holzer und Lisa Brunner ein gleichermaßen intensiver wie wegweisender Lehrgang statt, der ein absolut zentrales, aber oft unterschätztes Thema unseres Sports in den Fokus rückte: das Partnerverhalten.
Da es im Ju-Jutsu bisher kaum feste Definitionen oder theoretische Vorgaben zu diesem Thema gibt, haben sich Daniel und Lisa im Vorfeld intensiv Gedanken gemacht, wie man richtiges Partnerverhalten beschreiben kann. Das Ergebnis ist ein brandneues, greifbares Konzept: das SEPP-Modell. Es steht für Situation, Eigensicht, Partnersicht und Persönlichkeit. Die beiden haben auf dieser Basis ein großartiges, didaktisch perfekt durchdachtes Programm auf die Beine gestellt.
Auch wenn der Lehrgang diesmal in einer kleineren, exklusiven Gruppe stattfand, war die Dynamik auf der Matte überragend.
Das SEPP-Modell in der Praxis
S wie Situation
Hier ging es um die Frage: In welchem Rahmen bewegen wir uns gerade?
- Die Trainingsphase: Befinden wir uns im Erwerbstraining (wo der Partner eher kooperativ „mitmacht“) oder im Anwendungstraining (wo der Partner fordert, ohne zu überfordern)? Dieser Übergang wurde praktisch erprobt: Gestartet wurde im Erwerbstraining mit der großen Außensichel und dem Schulterwurf, gefolgt vom Übergang zu Komplexaufgaben (Würfe) bis hin zum freien Randori im Anwendungstraining. In jeder Phase musste das Partnerverhalten blitzschnell angepasst werden.
- Das Umfeld: Viel Platz lädt zum dynamischen Kämpfen ein – wenig Platz erfordert sofortige Gefahrenverhütung.
- Der Rahmen: Auf einem Lehrgang nimmt man Inhalte gemeinsam mit, im Verein wird über viele Wiederholungen eintrainiert. Und während man im Training auch mal wild ausprobieren darf, gilt in einer Prüfung: So angreifen, dass der Partner optimal arbeiten kann!
E wie Eigensicht
„Zulassen, aber nicht verlieren!“ Das bedeutet: Ich lasse zwar zu, dass der andere seine Technik durchzieht und gewinnt, aber ich behalte meine eigene Körperspannung bei, ohne die Technik des anderen blockierend zu verhindern. Ich bleibe präsent, achte auf meine Eigensicherung und übernehme die Verantwortung für mein eigenes Training. Kurz: Ich könnte kämpfen, wenn ich wollte.
Hier schlug die Brücke zu den Atemi-Techniken (Gohon Kumite aus dem Karate) und dem Pratzentraining, bei denen die Eigensicht und das „Bei-der-Sache-bleiben“ intensiv geschärft wurden.
P wie Partnersicht
Ein guter Partner zeichnet sich durch Einfühlungsvermögen aus. Wer steht mir gegenüber? Welche Größe, welches Gewicht, welches Alter und welches Niveau (Graduierung) hat mein Partner? Das Verhalten muss so angepasst werden, dass der andere weder gelangweilt noch völlig überfordert wird.
Dazu wurde mit Hebeltechniken (Kipphandhebel und Armriegel von außen) sowie Gegen- und Weiterführungstechniken gearbeitet und bewusst Basics aus dem Erwerbstraining genutzt, um die Perspektive des Partners genau zu lesen.
P wie Persönlichkeit
Das letzte „P“ bringt die tiefen Werte unseres Sports auf die Matte:
Sicherheit & Verantwortung: Niemanden verletzen! Wenn der Partner pennt, stoppe ich ab. Bei wenig Platz passe ich auf uns beide auf.
- Umgang miteinander: Respekt, Höflichkeit, Freundschaft und Hilfsbereitschaft.
- Einstellung: Pünktlichkeit, Sauberkeit, Bescheidenheit und Fairness.
Der krönende Abschluss hierzu war ein Wettkampf mit Bodentechniken (Kumite). Hier galt die echte Anwendung: Ich will gewinnen und dem Partner im Kampf nicht künstlich „helfen“ – aber ich setze meine Persönlichkeit ein, um ihn niemals zu verletzen.
Ganz am Ende wurde die Zeit noch genutzt, um die richtige Distanz und ernsthafte Angriffe bei den Waffen anzutrainieren. Denn nur ein echter Angriff macht eine Waffenabwehr überhaupt sinnvoll – so, dass der Partner wirklich etwas lernt.
Fazit: Ein riesiges Dankeschön an Lisa und Daniel für diesen wertvollen Input! Merkt euch für das nächste Mal: „Sei kein Depp, denk an SEPP!“ 😉
Peter Günther, JJVB; Text u. Bilder: TV Altdorf


























